Eine grimmige Julibrise strich über ihre Haut und rüttelte an den Fensterflügeln. Sie gähnte, blinzelte verschlafen. Hitze gloste unter den schweissnassen Laken, die zerknittert an ihrem Körper klebten. Sie setzte sich auf, Lichtfächer brachen durch die schräg gestellten Lamellen der Rollläden.

Die Dusche brachte nur momentenhafte Erfrischung: Ein Schweisstropfen kullerte ihr Schlüsselbein entlang, als sie aus dem Badezimmer trat.

Der Duft von Flieder und Orchideen hallte durch das viktorianische Haus, Blumensträusse standen in dutzenden Vasen und Sträucher und Schlingpflanzen wucherten unter den mächtigen Glaskuppeln der Treppenhäuser und in den Galerien. Schmetterlinge flatterten erratisch durch die parfümierte Hitze der Flure.

Ein gletschriges Frösteln kroch über ihre Schultern: Aus dem Wohnzimmer drang ein grässliches Quietschen. Das hastige Pochen ihres Herzens in der Brust ignorierend, griff sie nach dem Türknopf, stiess die Türe auf und stürzte in den Raum. Stille empfing sie. Gläserne, leere Stille.

Dann eine Bewegung in den Augenwinkeln. Ihr Kopf ruckte hoch. Auf einem Leuchter balancierte ein kleiner Fink. Sein grell karmesinrotes Gefieder in harschem Kontrast zum elfenbein- und ebenholzfarbenen Interieur.